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Religion im öffentlichen Raum

In der religionswissenschaftlichen Forschung wurde bisher die politische und die ökonomische Seite der Religionen nur wenig bearbeitet. Eine ganze Reihe von Ereignissen hat vielerorts in den letzten Jahrzehnten zu einem Umdenken geführt. Nicht erst die Ereignisse im 11.9.2001, sondern schon die Terroraktivitäten der IRA in Irland, die Revolution im Iran, der evangelikale Wahlkampf Ronald Reagans in den USA und die Kriege auf dem Balkan haben deutlich gemacht, welche Bedeutung der Religion auch in der Moderne im öffentlichen Raum zukommen kann. Dies hat gegen Ende der 1990er Jahre zu einer weitgreifenden akademischen Debatte um die Rolle der Religion im öffentlichen Raum (José Casanova) geführt.

Das Institut zur Erforschung der Religiösen Gegenwartskultur / IrG sieht es als seine Aufgabe an, einen religionswissenschaftlichen Beitrag zu dieser Debatte zu leisten. Dabei sollen folgende Punkte berücksichtigt werden:

•  Zunächst müssen die genannten Prozesse, in denen die Religionen in den ,öffentlichen Raum' treten, genauer beschrieben werden : Von welchen individuellen oder kollektiven Akteuren werden sie auf welche Art und Weise getragen, und welche Strategien entwickeln diese Akteure, um ihre jeweiligen Ziele durchzusetzen?

•  Die Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte müssen in ihren historischen Kontext eingeordnet werden: Inwieweit ist das neu erwachte öffentliche Interesse an der Religion auf einen Wechsel der Kontextbedingungen in Europa und Nordamerika zurückzuführen, und inwieweit handelt es sich dabei um ein neues Strukturmerkmal der religiösen Gegenwartskultur? Inwieweit handelt es sich dagegen um Prozesse, die schon früher in der Aushandlung zwischen religiösen Individuen, Staat und Gesellschaft sowie den Religionsgemeinschaften eine Rolle spielten?

•  Schließlich geht es darum, eine möglichst trennscharfe religionswissenschaftliche Begrifflichkeit zu entwickeln: Wo verlaufen die analytischen Grenzen zwischen Religion und Politik? Wie werden diese empirisch bestimmt bzw. aufrechterhalten? Welche Rolle spielen dabei die institutionellen oder weltanschaulichen Traditionen?

Die Arbeit des IrG zeichnet sich dadurch aus, dass sie zwischen den Analysen zur Religion im öffentlichen Raum und den Arbeiten zur Religiösitätsforschung eine enge Beziehung herstellt. Dadurch ergeben sich neue Perspektiven für beide Seiten.

Laufendes Projekt:
Religionen im System der Vereinten Nationen
Dr. Karsten Lehmann

Panel:
Jahrestagung der DVRW vom 23.-27. September 2007 in Bremen:
Hans G. Kippenberg, Karsten Lehmann "Religiöse Vergemeinschaftungen im Zeitalter der Globalisierung"

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Copyright ©: Institut zur Erforschung der religiösen Gegewartskultur. Letzte Änderung 19.02.2008
Verantwortlich: Prof. Dr. Christoph Bochinger. Seitengestaltung: Barbara Mayer. E-Mail: b.mayer@uni-bayreuth.de